Seit Jahrzehnten gilt die Regel, dass die Gaspreise den Ölpreisen mit einigen Monaten Verzögerung angepasst werden müssen. Dies soll dazu dienen, die Marktanteile konstant zu halten und keinen Werteverlust zu riskieren. Im letzten Jahr zeigte sich aber, dass die Gaspreise nicht mehr an die Ölpreise gebunden sind, sondern vielmehr einen eigenständigen Gasmarkt bilden. Ist die Debatte um Für und Wider gekoppelter Gas- und Ölpreise der Politiker damit überflüssig?
Ein Verbraucherportal wertete kürzlich Studien zur Gas- und Ölpreiskopplung für private Verbraucher aus und kam zu dem Ergebnis, dass die Durchschnittspreise für leichtes Heizöl zwischen August des letzten Jahres und Juli dieses Jahres um etwa 28,8 Prozent gestiegen sind, während die Preise für Gas um etwa 5,5 Prozent gesunken sind. Diese Datenerhebung zeigt, dass die jahrzehntelange Regel der Kopplung umgangen worden ist und sich stattdessen nun ein Trend zur Entkopplung herausbildet. Wie konnte es dazu kommen?
Da Gas im flüssigen Zustand auch unabhängig von Pipelines transportierbar ist, drängten immer mehr Wettbewerbsbehörden auf eine Marktöffnung. Dieser Druck seitens der Behörden sorgte dafür, dass die Gasanbieter unterschiedliche Strategien entwickelten. Während die einen ihre Preise senkten, um neue Kunden zu gewinnen, legten andere Unternehmen mehr Wert auf die Optimierung ihrer Marge. Aus diesem Grund kam es zu Preisdifferenzen, bei denen ein Haushalt bei einem Wechsel des Anbieters im Durchschnitt etwa 238 Euro sparen konnte – und immer noch kann.
Während die Unternehmen weiter an ihren neuen Strategien festhalten wollen, drängen die Gaslieferanten zu einer Rückkehr zur Kopplung an die Ölpreise. Dies würde jedoch zu erheblichen Preisschwankungen führen, wie ein Experte warnte. Die Frage, die sich die Politiker stellen sollten, ist also nicht die des Für und Wider der Kopplung von Gas- und Ölpreis im Allgemeinen, sondern die des Wiedereinführens dieser Kopplung oder der Beibehaltung der zunehmenden Entkopplung.

