Rund 19.600 Megawattstunden Strom konnten die deutschen Windräder während des Orkans „Xynthia“ produzieren. Das war ein Segen für die Verfechter der erneuerbaren Energien: Die Energieversorger zahlten je abgenommener Megawattstunde 18,10 Euro, was die konventionellen Stromerzeuger mehr als eine halbe Million Euro kostete.
Wie sich solche Schwankungen in der Ökostromerzeugung auswirken, untersuchte kürzlich das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). Hierbei wurde davon ausgegangen, dass die regenerativen Energien in zehn Jahren etwa die Hälfte des Strombedarfes decken werden. Ökostrom, so die Berechnungen, sichert dann eine Grundlast von mindestens 15 Prozent. Daraus folgert man, dass der klassische Grundlastbereich für übliche Kraftwerke ausgedient habe. Zukünftig benötige man folglich eher Kraftwerke, die eine variable An- und Abfahrt ermöglichen, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen.
Das IWES weist darauf hin, dass ohne Stromspeicher und Im- und Export des Stromes ein Ökostromanteil von rund 50 Prozent nicht möglich sein wird. Unklar ist auch, ob die nicht benötigte deutsche Windenergie zu fairen Preisen in speziellen Kraftwerken in den Alpen und Skandinavien gespeichert werden kann. Zudem nimmt der Netzausbau in Europa zu viel Zeit in Anspruch. Diese Herausforderungen gilt es, zu lösen.
Allerdings wurden in den vergangenen zehn Jahren Kohlekraftwerke mit einer Leistung von etwa 15.600 Megawatt in Betrieb genommen oder modernisiert. Hinzu kommt, dass schon jetzt Gaskraftwerke mit einer Leistung von 22.000 Megawatt durch flexibles Anfahren kurzfristige Schwankungen abdecken können. Die Botschaft an die Bundesregierung, die derzeit im Verborgenen energiepolitische Grundsätze vereinbart, wird deutlich. Jede Laufzeitverlängerung und jeder Kraftwerksneubau führt innerhalb der nächsten zehn Jahre unweigerlich zu überschüssigem Strom.

